Mahnung, Erinnerung, Schulterschluss: Das „Klavier von Ahrweiler“.

Mit der gemeinsamen Übergabe des „Klaviers von Ahrweiler“ an das Deutsche Feuerwehr-Museum symbolisieren THW und Feuerwehr einen wichtigen Schulterschluss.

„Tribut an die Menschlichkeit, von Naturkatastrophen, Verlust und Hoffnung« - mit der Uraufführung der Klaviersonate und dem letzten Spiel auf dem „Klavier von Ahrweiler“ starten THW und Feuerwehr ganz konkret mit dem zukünftigen gemeinsamen Museum der Deutschen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks.

Es ist ein Symbol der Hoffnung und Zuversicht: das "Klavier von Ahrweiler".
Und es ist gleichzeitig ein Symbol der Zusammenarbeit: zwischen THW und Feuerwehr.
Gemeinsam hatten sie die Idee dazu und gemeinsam haben sie diese umgesetzt.
Die THW-Historische Sammlung (THWhS) und das Deutsche Feuerwehr-Museum (DFM) haben im Sommer 2021 schnell erkannt, dass der Starkregen im Juli 2021 in der Zukunft historische Bedeutung haben wird und dass es ihre Aufgabe ist, daran zu erinnern und zu informieren.
Das sogenannte „Klavier von Ahrweiler“ mit der Aufschrift „Spiel mich“ wurde nach dem Starkregen am Straßenrand in Bad Neuenahr-Ahrweiler aus dem Schlamm gezogen und abgestellt. Das Musikinstrument sollte zunächst entsorgt werden, doch dann fing ein Mann darauf an zu spielen. Ihm folgten Passanten und Einsatzkräfte. Dieses Spiel auf dem Klavier gab den Menschen vor Ort im Moment tiefster Verzweiflung Mut und Zuversicht.

Am Internationalen Museumstag am 15. Mai 2022 wurde das Klavier in einem feierlichen Akt an das Deutsche Feuerwehr-Museum übergeben. Es ist ein bedeutender Tag für das THW und die Feuerwehr. Denn dieses Klavier steht nicht nur für Hoffnung, sondern für einen Schulterschluss zwischen beiden Organisationen. „Nur gemeinsam kann es funktionieren und ich bin froh, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben. Und zusammen macht es einfach auch mehr Spaß. “, so THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner. Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes ergänzte: „Heute darf ich erleben, wie etwas zusammenkommt. Im Ahrtal hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW Schulter an Schulter zusammenarbeiten und das man auf eine gute Zusammenarbeit zurückschauen kann.“

Die Idee das Klavier aus dem Ahrtal zu retten, stammte von der THW-Historischen Sammlung und dem Deutschen Feuerwehr-Museum. Umgesetzt haben es die Helferinnen und Helfer des THW zusammen mit Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr. Gemeinsam haben sie das Klavier gerettet, geborgen und an diesen Ort gebracht. Damit wird das „Spiel mich“-Klavier zu einem wichtigen Ausstellungsstück der zukünftigen Sammlung. Es symbolisiert den praktischen Startschuss für das gemeinsame Museum der Deutschen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks.
Dr. Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister der Stadt Fulda zum Museum: „Bei der Gestaltung der Zukunft muss man die Vergangenheit bedenken.“ Es sei wichtig, das nicht nur dann berichtet werde, wenn etwas passiert, sondern generell darüber informiert werde, wie wichtig es ist, gut aufgestellt zu sein bei der Feuerwehr, beim THW sowie im Rettungswesen. Für den Oberbürgermeister sei es eine große Freude, „wenn in der Zukunft dieser Ort zu einem Ort wird, der für die Zusammenarbeit zwischen THW und Feuerwehr steht.“

Zum Gedenken an die Flutkatastrophe 2021 hat der Komponist Kai Fenchel eigens eine Klaviersonate komponiert und diese auf dem „Spiel mich-Klavier“ uraufgeführt. Das Klavier erklang an diesem Tag ein letztes Mal. Danach wurde es offiziell an das DFM übergeben. „Das Instrument wird für immer stumm bleiben. Es wird nicht mehr darauf gespielt. Nun soll es erinnern.“, so Rolf Schamberger, Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums. „Ein Museum muss die Brücke zur Gegenwart sein. Deswegen ist dieses Klavier so ein wichtiges Symbol.“

Im Anschluss an die Klavierübergabe eröffnete THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner zusammen mit Rolf Schamberger die Ausstellung zu Otto Lummitzsch. Es ist die Archivschau der THW-Historischen Sammlung zu dem Gründer des Technischen Hilfswerks und seiner Vorgängerorganisation, der Technischen Nothilfe. Die Besucher lernen Otto Lummitzsch als Organisator technischer Hilfe für den Notfall, aber auch als Ingenieur, Pionieroffizier und Mensch kennen. Die Schau gibt einen Einblick in eine faszinierende Person, die in fünf Herrschaftssystemen - Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Diktatur, frühe Nachkriegszeit unter alliierter Militärverwaltung und die junge Bundesrepublik - gelebt und gewirkt hat. Das Helfen in der Not war stets Antrieb seines Handelns, vor allem in den politisch-gesellschaftlich bewegten Zeiten der Weimarer Republik und der jungen Bundesrepublik Deutschland.
Dieses Credo, Menschen in Not zu helfen, bildet bis heute die Basis der Einsatzorganisation THW. Dieses „Helfen in der Not“ ist auch der Arbeitstitel des neu zu etablierenden gemeinsamen Museums der Deutschen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks, eines Museums rund um die vielfältigsten Facetten des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes.

Fulda, 16. Mai 2022.

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